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Enterprise Services Planning - Kanban goes Enterprise

Schon lange vor SAFe, LESS und den anderen Skalierungsansätzen wurde Kanban bereits auf höheren Ebenen eingesetzt, als nur für einzelne Teams. Unter dem Schlagwort „Portfolio Kanban“ haben Pioniere wie mobile.de oder die Süddeutsche Zeitung Kanban im Produktmanagement eingesetzt und auch SAFe erwähnt Kanban als eine Option für die strategische Managementebene.

Nun hat David Anderson in Zusammenarbeit mit Alexei Zhegov, Michael Burrows und einigen anderen nachgelegt und die vielen guten Ideen, die im Umfeld von Kanban in den letzten Jahren entstanden sind, zu einem konsistenten Paket zusammen geschnürt. Das Ergebnis nutzt Kanban als Steuerungsinstrument nur noch als eines von vielen Werkzeugen, weshalb es konsequenter Weise den Begriff Kanban nicht mehr im Namen führt, sondern „Enterprise Services Planning“ heißt, oder kurz ESP.

Enterprise Services Planning

ESP behandelt insgesamt sieben Aspekte, die für die Führung eines Service-Unternehmens wichtig sind:

  • Service Delivery: Dies ist der operative Teil, in dem die eigentlichen Services erzeugt werden. Hier wird Software entwickelt, Unterstützung gegeben, Trainings geliefert, oder womit die Organisation auch immer ihr Geld verdient. Diese Services werden als Kanban-Systeme organisiert und können somit weitgehend selbst-organisiert arbeiten, solange der Flow sauber läuft.
  • Scheduling: Es gibt praktisch keine Serviceart, bei der nicht auch Termine eingehalten werden müssen. Während das im Detail noch innerhalb der einzelnen Kanban-Systeme behandelt werden kann, braucht man für größere Fragen einen anderen Blick: Welche Projekte kann man noch starten? Und wann müssen sie gestartet werden, um rechtzeitig fertig zu werden? Hier setzt ESP auf empirische Planung, also der statistischen Auswertung der aktuellen Kanban Systeme, verbunden mit Cost-of-Delay Betrachtungen.
  • Planning: Auch hier wird ein großer Teil bereits in den lokalen Kanban Systemen erledigt. Auf Ebene des Unternehmens bleiben noch Aufgaben wie Personalplanung und die Reihenfolge ganzer Vorhaben. Auch hier setzt ESP wieder auf Auswertung der Daten, die aus den einzelnen Kanban-Systemen abfallen und statistischen Vorhersageverfahren.
  • Risikomanagement: Es geht hier nicht um die leider oft übliche Verwaltung von Risikolisten, sondern um einen strukturierten Ansatz, Geschäftsrisiken frühzeitig zu identifizieren und zu minimieren. Neben externen Risiken vom Markt werden dabei auch interne Risiken betrachtet, wie die Analyse regelmäßig auftretender Gründe für Blocker, Reduktion von Abhängigkeiten und technische Risiken.
  • Demand Management: Die Beziehung zwischen Unternehmen und Markt ist ja nicht unidirektional. Jedes Unternehmen hat auch mehr oder weniger Möglichkeiten, das Verhalten der Kunden zu beeinflussen, wenn es einmal verstanden hat, was für die eigene Marktposition am wichtigsten ist. Aufbauend auf dem Real Options Ansatz von Chris Matts und Olav Maassen bietet ESP hier Werkzeuge an.
  • Strategie: Hier verbindet ESP die zuvor angerissenen Konzepte mit klassischen Strategieansätzen. Ansätze wie Portfolio Management und Marktsegmentierung dienen dazu, sicher zu stellen, dass die Services „Fit for Purpose“ bleiben.
  • Resilience/Survivability: Dies ist das eigentliche Ziel des Unternehmensmanagements: Sicher zu stellen, dass das Unternehmen am Markt langfristig überlebt und „resilient“ ist gegen unerwartete Veränderungen der Umwelt. Hier bedient sich ESP in den Ansätzen der Komplexitätstheorie.

Insgesamt erscheint ESP auf den ersten Blick sehr viel analytischer und zahlengetrieben, als es bei agilen Ansätzen üblich ist. Auch wenn das sicher seine Gefahren birgt (siehe z.B. : Ralf Kruses Blog-Eintrag „Why ‚Real Options’ is the biggest fail of the Agile Community so far“ inklusive der Kommentare), schließt ESP meiner Ansicht nach eine empfindliche Lücke, die agile Verfahren bisher für das Management großer Organisationen gelassen haben.

Wie schon bei Kanban, sucht man auch bei ESP vergeblich nach „Blueprints“ für Rollen, Prozesse Aufbau- oder Ablauforganisationen, sondern ESP setzt darauf, Transparenz herzustellen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Aus unserer Sicht ergänzt es sich daher gut mit Agile Evolution, das die Elemente der Organisationsentwicklung einbringt.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, bieten wir vom 14.3. bis 18.3.2016 ein 5-tägiges Training aus erster Hand an, für das wir Alexei Zerghov gewinnen konnten. Details finden Sie auf unserer Kursseite „Enterprise Services Planning Program“.