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/ Von Sabine Canditt

Mit diesem Artikel lernt ihr Jens, einen der beiden Geschäftsführer von improuv, von einer neuen Seite kennen. Er ist nicht nur agiler Trainer und Berater, sondern engagiert sich in seiner Gemeinde Neubiberg (15.000 Einwohnern im Südosten von München). Ende 2020, in der finsteren Lockdown-Zeit, flatterte ihm ein Flyer von einer Gruppe ins Haus, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dass Neubiberg bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden soll. Jens fand, dass das „eine interessante Idee“ sei. Neubiberg hat für ihn eine Größe, bei der man noch Einfluss nehmen kann. „Bei einer Millionenstadt wie München ist das natürlich deutlich schwieriger.“ Jens interessiert sich für den Klimawandel, seit er vor über 25 Jahren in einem Vortrag von Reinhard Loske die berühmte Hockeyschlägerkurve gesehen hatte, die den Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und Klima darstellt. Seitdem versucht er, seinen persönlichen CO2-Abdruck zu reduzieren. Er hatte schon lange damit geliebäugelt, in die Kommunalpolitik hereinzuschauen, und nahm diese Gelegenheit nun als Anlass dazu. Bei der Kickoff-Veranstaltung der Initiative „Klimaneutral 2035“ stellte er wohl ein paar interessante Fragen – so kennt man ihn 😊 – so dass er kurz darauf vom Gründer der Initiative, Christian Ellerhold, gefragt wurde, ob er nicht Lust hätte, dem Kernteam beizutreten. Und Jens hatte Lust dazu.

Für ihn bedeutete das, sich erst mal in die Thematik des kommunalen Klimaschutzes einzuarbeiten. Die Kernidee der Initiative ist, in zwei Stoßrichtungen zu arbeiten: Informationen und Unterstützung für die Bürger vor Ort, um Aufmerksamkeit für das Thema und politische Unterstützung zu generieren, flankiert durch Pressearbeit. Und Zusammenarbeit mit allen Fraktionen im Gemeinderat, um Beschlüsse voranzubringen. Bald schon erlebte er, dass die Mühlen der Verwaltung langsam mahlen. Die Menschen, die dort arbeiten, haben in der Regel einen verwaltungsjuristischen Hintergrund und arbeiten stark arbeitsteilig. Bis Förderungen bewilligt und Ausschreibungen durchgeführt werden, gehen schon mal Monate oder sogar Jahre ins Land. Von den Konzepten für Wärme, Photovoltaik und LED-Straßenbeleuchtung, die wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Klimaneutralität darstellen, konnte bisher noch keines abgeschlossen werden. Für Jens, der agiles Arbeiten gewohnt ist, eine Ernüchterung, aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. „Was man in der Zwischenzeit immer machen kann, ist Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren.“ Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit erklärt die Initiative möglichst vielen Menschen die Folgen des Klimawandels und wirbt so für notwendige Maßnahmen und die Vorteile der Energiewende. Bisher wurden ein einfach verständlicher Leitfaden für den Erwerb und Betrieb von Photovoltaik erstellt, eine Demonstration, Schulstunden und online-Veranstaltungen durchgeführt. Jens hat dann auch einfach mal Flyer verteilt und ist darüber mit den Menschen ins Gespräch gekommen. Nach Aussage der Gemeinde gehen mittlerweile vermutlich mehrere Dutzend neuer Solaranlagen auf das Konto der Initiative, die im Schnitt jeweils 2-3 t CO2 pro Jahr einsparen, auch wenn es natürlich schwierig ist den Anteil der Initiative an der Entscheidung einer Eigentümerin für eine Photovoltaikanlage oder einer Wärmepumpe genau zu bestimmen. Es gibt aber seit Beginn der Arbeit einen eindeutigen Anstieg der Anmeldungen.

Für ihr Engagement wurde die Initiative mit der Umweltehrung des Landkreises München für 2021 ausgezeichnet. Ein weiterer Erfolg: Sie bekommt mit Unter- und Oberschleißheim zwei Schwestern im Landkreis. Geplant sind gemeinsame Veranstaltungen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit, um so die Senkung der Treibhausgasemissionen gemeinsam und noch effektiver voranzutreiben. Anstatt das Rad in jeder Gemeinde neu zu erfinden, wird das Konzept wie bei einem Franchising-Ansatz übernommen und kann so noch viel wirksamer werden.

Was waren für Jens Schlüsselfaktoren für den Erfolg, bei dem ihm seine beruflichen Erfahrungen helfen konnten?

  • Wertschätzende Kommunikation über (fast) alle politischen Grenzen hinweg. „Du hast es bei den gewählten Vertretern mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun, mit diversen Zielen, die nach unterschiedlichen Wertesystemen arbeiten. Das ist etwas anderes als in Großunternehmen, die alle eine vergleichbare Ausbildung und ähnliche Grundzüge haben.“
  • Pragmatismus im Umgang mit Führungspersönlichkeiten. „Einen Großkonzern zu verändern ist von ähnlichem Kaliber wie in der Politik Veränderungen zu bewirken.“
  • Zerlegen von riesengroßen Problemen in kleine Schritte und Fokussieren. „Wir haben uns immer auf ein konkretes Ziel für die nächsten Monate fokussiert,“ sagt Jens. „Das war mal eine Vortragsreihe, mal eine Kampagne und mal der Versuch, ein bestimmtes Thema bei den Gemeinderäten auf die Tagesordnung zu bringen.

Jens‘ Fazit und Apell: „Geht in die Gemeinden rein. Da kann man am ehesten gesellschaftlich etwas verändern, was über die Möglichkeiten, die man in seinen eigenen vier Wänden hat, deutlich hinausgeht.“

Die Initiative unterstützt dabei mit Tipps, Hinweisen und Material. Einfach über info@klimaneutral2035.de Kontakt aufnehmen.

Quellen:

Klimaneutral 2035 – Eine Initiative für Neubiberg

Landkreis München: Initiative Neubiberg Klimaneutral 2035 (landkreis-muenchen.de)

Druck im Heizkessel“ in der Süddeutschen vom 31.3.2022 – einer der Berichte über unsere Aktionen