Gespeichert von Hedi Buchner am Mo, 09/02/2013 - 17:15

In der Arbeitswelt sprechen wir oft davon, wie wichtig Vertrauen ist. Aber was ist Vertrauen eigentlich? Und wie bauen wir Vertrauen auf?

„Vertrauen ist der Wille, sich verletzlich zu zeigen“ (1). Jemandem zu vertrauen ist meistens mit einem Risiko für denjenigen verbunden, der vertraut.

Was bestimmt also, ob wir Andere als vertrauenswürdig ansehen? Hierfür sind drei Faktoren ausschlaggebend (2):

vertrauen

Ich finde dieses Modell sehr anschaulich. Es hilft viele Situationen zu verstehen und gibt in anderen Situation Handlungsoptionen. Was es konkret bedeutet möchte ich an zwei Beispielen zeigen:

Als Scrum Coach stehe ich immer wieder vor der Herausforderung, Vertrauen aufzubauen.
Ich muss es schaffen, das Team von meiner Kompetenz zu überzeugen indem ich ihnen Referenzgeschichten erzähle und von meinen Erfahrungen berichte. In der täglichen Arbeit muss ich beweisen, dass ich ihnen helfen kann ihrem Ziel näher zu kommen.
Als Coach bin ich nur dann erfolgreich, wenn meine Wertvorstellungen und Prinzipien mit denen des Teams übereinstimmen. Dies finden wir meist in Anfangsdiskussionen heraus, aber auch in kritischen Situationen, in denen ich meine Integrität beweisen muss. Vereinbarungen müssen unbedingt eingehalten werden und transparent gehandhabt werden um Missverständnisse auszuschließen.
Erst wenn die einzelnen Teammitglieder spüren, dass mir ihr Wohlwollen am Herz liegt und ich mit ihnen und nicht gegen sie arbeite beginnt die eigentliche konstruktive Arbeit.

In meiner Freizeit klettere ich. Zum Klettern braucht man einen Partner, der einen sichert und dem man in dieser Situation vertraut. Mein Ausflug mit einer Freundin scheiterte leider daran. Ich bin absolut von ihrer Integrität überzeugt, da wir schon länger miteinander befreundet sind. Auch bin ich davon überzeugt, dass sie nur mein Bestes will. Leider hatte ich ihr in dieser Situation nicht die Kompetenz zugetraut, mich korrekt zu sichern. Aber Gott sei Dank ist Vertrauen situational und wir immer noch befreundet!

Was mir persönlich in dem Modell fehlt, ist Offenheit. Damit andere mir vertrauen, muss ich mich öffnen und ihnen ermöglichen sich ein Bild von mir zu machen. Nicht nur derjenige, der vertraut, sondern auch derjenige, der will, dass man ihm vertraut, muss sich verletzlich machen.

(1) Osterloh, M., Weibel, A. (2006), Investition Vertrauen. Prozesse der Vertrauensentwicklung in Organisationen, Gabler: Wiesbaden.

(2) Mayer, R. C., Davis, J. H., & Schoorman, F. D. 1995. An integrative model of organizational trust. Academy of Management Review, 20: 709–734.